Bei den ersten Schritten in einem neuen Land fühlt man sich manchmal wie der erste Mensch. Geht es Euch auch so? Alles ist neu, alles ist anders, ich habe ständig das Gefühl peinliche Fragen zu stellen: „Aber wo lebt Ihr dann im Winter?“
Ich lache ich mit den Kiwis, als ich die – für meine mitteleuropäischen Begriffe sehr einfach verglasten, dünnwandigen – „Sommerhäuser“ in Tauranga & Taupo sehe. „Na, hier natürlich“, lachen diese noch mehr, als sie meine verwunderten Blicke treffen. Ich schiebe den Gedanken erst mal zur Seite und suche eine meiner ersten Adressen bei der Reise über die Nordinsel in Neuseeland: Die Tiki Lodge mitten in der Stadt Taupo, das malerisch an einem See zu Fuße mächtiger Vulkane liegt. Hier erwartet mich …
Das erste Hongi meines Lebens! Die erste Maori-Legende, erzählt vor dem vielleicht schönsten Sonnenuntergang meines Lebens – bis dato jedenfalls. Wer in Neuseeland weilt, neigt zu Superlativen!
Aber was, bitte schön, ist ein Hongi?!
Wie die Maori-Legende der Vulkanberge rund um Lake Taupo im Detail geht, weiß ich heute nicht mehr so genau. Sicher ist, dass es sich um einen „weiblichen Berg“ nördlich des Sees handelt (wer vom See aus Richtung Norden sieht, kann in den Hügeln am Horizont tatsächlich die Silhouette einer liegenden Frau samt Bauch & Busen erkennen). Um diese sollen sich die „männlichen Vulkanberge“ Mount Ruapehu, Mount Ngaurahoe und Mount Taranaki gestritten haben. Sodenn wurde Mount Taranaki vom stärksten wie höchsten Vulkan Mount Ruapehu weit in den Westen verbannt. Dort ist dieser noch heute als einsamer, hoch aufragender Vulkankegel in einer andernfalls flachen Landschaft zu erkennen.
Parallel dazu lese ich in meinem „Rough Guide to New Zealand“ (aus Prinzip kaufte ich damals keinen Lonely Planet: Ich wollte etwas anderes als die anderen und vertraute den guten Leserkritiken im Internet) über Höhenmeter, geothermale Aktivitäten und die wohl berühmteste Tageswanderung des Landes: Das sogenannte „Tongariro Crossing„. Der etwa zehn- bis zwölfstündige Tag (inklusive Transfers, Auf- und Abstieg sowie Pausen) erfordert gute Fitness und verlangt seinen Teilnehmern einiges ab, ermöglicht jedoch ungeahnte Einblicke in eine – erneut für mitteleuropäische Verhältnisse – völlig neue Welt. Wow!
„Windy Wellington“: Die Hauptstadt Neuseelands ist Sprungbrett in den Süden und hat kulturell wie eventmäßig einiges zu bieten.
Wenn ich mich in einer der (relativ wenigen!) Großstädte Neuseelands rundum wohl gefühlt habe, dann Wellington. Die Hauptstadt der Kiwis beherbergt das Parlamentsgebäude der Nation mit dem klingenden Namen „Beehive“, und gleich verrate ich Euch was zur Namensgebung „Bienenstock“ geführt hat. „Windy Wellington“ mag sein, da es aufgrund seiner Lage an der von Seefahrern gefürchteten Cook Strait zwischen Nord- und Südinseln des Landes immer wieder zu starken Winden und Stürmen kommt. Allzu sehr hat mich der Wind dort jedoch nie gestört – vielleicht habe ich aber auch keinen der ärgsten Stürme während meiner Zeit in Neuseeland erlebt!
Was Ihr in Wellington auf keinen Fall verpassen dürft, ist ein Besuch des Te Papa Tongarewa, Neuseelands Nationalmuseum. Dieses Museum bietet eine einzigartige, absolut interaktive und sehr ansprechende Form der Museumsdidaktik, sprich Wissensvermittlung. Schon während meines Kulturtourismus-Studiums hatte ich über dieses Museum gehört und ging natürlich mit entsprechend hohen Erwartungen hinein. Das Beste: Ich wurde nicht enttäuscht, im Gegenteil. Meine Erwartungen wurden sogar noch übertroffen!
Ankommen auf der Südinsel: Weingärten. Wälder. Weite, wunderschön geschwungene Buchten … und meine neue Heimat auf Zeit.
Die ersten Tage und Momente im Licht dieser Sommersonne verschwimmen heute für mich zu einem einzig wahr gewordenen Traum. Der herzliche Empfang meiner neuen Gastfamilie. Die wunderschöne Umgebung inmitten von Naturlandschaften, die mir den Atem rauben. Einzigartige Farnwälder, dazu endlos lange Weingartenzeilen wie sie in der „Neuen Welt“ typisch sind, eine Kleinstadt namens Motueka am Tor zum vielleicht schönsten Nationalpark Neuseelands, dem Abel Tasman National Park …
Gleich nach meiner Ankunft am Land wusste ich, ich würde bald ein Auto brauchen um all dies unabhängig und individuell erkunden zu können. Aber las ich nicht, „das macht man hier einfach so, in der neuen Welt – mal eben ein Auto kaufen“ ?? Noch konnte ich es mir, wie so viele andere Dinge, nicht vorstellen. Doch davon erzähle ich Euch dann beim nächsten Mal, wenn es wieder heißt: „Das Jahr meines Lebens: Unterwegs in Aotearoa Neuseeland.“
Stay tuned! 😉